Die Kunst des Sichtbarmachens

Die Veranstaltung mit dem Aktionskünstler Wolfram P. Kästner fand am Mittwoch, 31. Mai 2017, um 20 Uhr im Blauen Haus in Dießen ein.

Kastner geht seit Jahren gegen die Tabuisierung, Relativierung und Rechtfertigung des Nationalsozialismus vor.

So hat der Münchner Künstler zusammen mit dem Journalisten Claus-Peter Lieckfeld 2006 in Landsberg einen Gedenkstein vom Betonsockel gestürzt, der an den Freikorpskämpfer Albert Leo Schlageter erinnerte, der von den Nationalsozialisten als Märtyrer gefeiert wurde. Der Staatsanwalt warf den beiden „gemeinschädliche Sachbeschädigung vor, das Amtsgericht stellte das Verfahren wegen „Geringe der Schuld“ ein. Von den rund 120 Schlageter-Gedenksteinen, die es am Ende des Zweiten Weltkriegs gab, stehen etwa 20 immer noch. Der Stein von Landsberg ist dank der Aktion von Kastner und Lieckfeld seit kurzem im Museum archiviert, nachdem er zuvor im Bauhof versteckt war.

Im Sommer 2016 spritzte Kastner rote Farbe über einen Gedenkstein für den Hauptkriegsverbrecher Alfred Jodl auf der Fraueninsel im Chiemsee. Wegen dieser Aktion wurde Kastner am 2. Mai 2017 vom Amtsgericht Rosenheim zu einer Geldstrafe verurteilt.