VA: „Der Mythos vom „ältesten Gewerbe der Welt“ 20 Uhr im Maurerhansel

Der „Mythos vom „ältesten Gewerbe der Welt“

Warum Prostitution abgeschafft werden muss

Entstanden aus der Sklaverei erlebt Prostitution seit dem späten 20. Jahrhundert einen ungeahnten Aufschwung. Sie hat sich zu einer weltweit expandierenden und vernetzten Sexindustrie und einer höchst umsatzstarken Branche entwickelt. Und Deutschland gehört zu den Marktführern. Hinter den Kulissen gehören extreme körperliche und seelische Gewalt zum „Tagesgeschäft“. Schwere Traumatisierungen der betroffenen Frauen und jungen Männer sind die Folge.

Die Referentin Dr. Inge Kleine, Aktivistin und Bloggerin für den Arbeitskreis „Stop Sexkauf“ im Kofra München, trägt in der Veranstaltung am Sonntag, 7. Oktober, um 20 Uhr im Maurerhansl in Dießen die wesentlichen Tatsachen und Argumente gegen Prostitution und Sexkauf vor.

Der Nahost-Konflikt

Der Nahostkonflikt ist seit beinahe 100 Jahren ungelöst und hat mehrere Kriege ausgelöst. Phasen hoffnungsvoller Entspannung und bewaffneter Konfrontation wechselten sich ab. Die Diskussionen hierzulande schlingern zwischen angemessener Israel-Kritik und verkapptem Antisemitismus, gerade vor dem Hintergrund der Shoa. Aktuelle Auseinandersetzungen, etwa um die Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels, sind ohne Kenntnis der Geschichte kaum nachvollziehbar.

Der Nahost-Experte und Journalist Ulrich Sahm wird bei einer Sonntagsdisko am Sonntag, 18. Februar 2018, um 20 Uhr im Maurerhansl in Dießen die Wurzeln dieser Konfrontation skizzieren.

Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Kurt Eisner Verein /Rosa Luxemburg Stiftung in Bayern statt.

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Europa macht dicht

Flüchtlinge in Dießen –
Unterbringung ohne Konzept

Deutschland und die EU schotten die Festung Europa wieder ab. Mazedonien und die Türkei übernehmen die Drecksarbeit für die Balkanroute, in Libyen werden für diese Arbeit die Verbündeten noch gesucht. Der Bundestag hat mit dem Asylpaket II die Lage verschärft.

Die Betreuung der Flüchtlinge in Dießen ist mangelhaft, weil die öffentlichen Stellen bis heute über kein Konzept verfügen oder das Konzept der Mangel ist. Die ehrenamtlichen Helfer sind weitgehend auf sich gestellt.

Die politische Situation sowie die Lage in Dießen waren das Thema unserer Veranstaltung. Referenten waren Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat und Rainer Michler, ein ehrenamtlicher Unterstützer der Flüchtlinge in Dießen. Die Moderation übernahm der Journalist Thies Marsen.

Die Veranstaltung fand am Mittwoch, 27. April, um 19.30 Uhr im „Maurerhansl“ statt.

Mehr zum Thema:

Die EU hat mit dem islamistischen Regime in der Türkei einen schmutzigen Handel abgeschlossen: Erdogan hält Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak und Syrien fern. Dafür bekommt er viel Geld, darf die Opposition unterdrücken und kurdische Zivilisten massakrieren. Auf den griechischen Inseln werden Abschiebelager eingerichtet. „Beide Seiten – EU und Türkei – treten Menschen- rechte mit Füßen“, urteilt Human Rights Watch. Die Landgrenze zur Türkei haben Bulgarien und Griechenland seit langem mit Zaun und Stacheldraht verbarrikadiert. Nur deshalb wagen sich Flüchtlinge überhaupt in Schlauchboo- ten auf die Ägäis.

Das Schlagwort von der „Sicherung der Außengrenzen“ bedeutet Mauer, Stacheldraht und Schießbefehl. Die AfD-Führerinnen und Boris Palmer von den Grünen sprechen die Konsequenzen offen aus. „Es sind nicht die Zeiten für Pippi-Langstrumpf oder Ponyhof-Politik“, erklärte der Oberbürgermeister von Tübingen. Der Bundestag verschärft das Asylrecht laufend, im Bundesrat stim- men die Grünen, mit ihrem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, zu. Das Asylpaket II bedeutet, Minderjährige dürfen ihre Familien erst nach zwei Jahren nachholen. Ihnen bleibt die „illegale“ lebensgefährliche Flucht über das Mittel- meer. Die Zahl der Frauen und Kinder auf der Flucht hat sich massiv erhöht, teilt das Kinderhilfswerk UNICEF mit. Die Balkan-Sonderlager in Manching und Bamberg werden zu „Transitzentren“ umgewandelt. Dort werden Flüchtlin- ge aus vermeintlich sicheren Herkunftsländern interniert sowie Menschen, deren Herkunftsland unklar ist oder denen unterstellt wird, Pässe vernichtet zu haben. Abschiebungen können leichter und schneller durchgeführt werden.

Im Frühling 2014 sind die ersten Flüchtlinge in Dießen angekommen. Zurzeit leben etwa 180 Flüchtlinge in Wohnungen, Einfamilienhäusern und größeren Unterkünften in Bischofsried und Riederau mit bis zu 60 Bewohnern. Die meis- ten stammen aus Eritrea und Syrien. Zum großen Teil sind es junge Männer und nur einzelne Familien mit Kindern. Manche befinden sich seit mehr als zwei Jahren im Asylverfahren. Das bedeutet, ihr Status ist ungeklärt und sie müssen in einer Unterkunft auf engstem Raum leben. Nur wenige sind bisher als Flücht- linge anerkannt und haben damit etwas Sicherheit für die nächsten Jahre. Aufgrund des knappen Angebots und der hohen Mieten wird es für sie schwer, eine Bleibe zu finden. Werden sie obdachlos, ist die Kommune für ihre Unter- bringung zuständig.

Auf der Veranstaltung wollten wir uns sowohl mit der politischen Entwicklung als auch der Situation vor Ort beschäftigen. Wie steht es um Spracherwerb, Arbeit und Beschäftigung? Wie werden die Flüchtlinge betreut? Was können Bürger und Vereine, Gemeinde und Landkreis tun, um den Menschen das Ankommen möglich zu machen? Notwendig wäre ein Flüchtlingsrat am Ort mit allen Beteiligten, vor allem den Flüchtlingen selbst, sowie ein öffentlicher Treffpunkt. Die Kommune kann dieses Ziel sehr wohl dadurch unterstützen, in dem sie Häuser im sozialen Wohnungsbau und Unterkünfte für anerkannte Asylbewerber errichtet.

 

Kunstaktion: Gräber für den unbekannten Einwanderer

Foto Annunciata Foresti
Foto Annunciata Foresti

Mindestens 20 000 Menschen sind bislang im Mittelmeer umgekommen. Sie sind die Opfer der Festung Europa, die ihre Tore vor dem Elend der Kriege und Bürgerkriege, der wirtschaftlichen Ausplünderung und politischen Unterdrückung, das sie mitverursacht, verschließt. Zwei Künstler (Annunciata Foresti und Matthias Rodach)  aus Dießen haben in den Seeanlagen in Dießen und am Lechwehr in Landsberg symbolische Gräber mit Kreuzen und Grablichtern angelegt, die an diese Opfer mahnen sollen. Sie beteiligen sich damit an der bundesweiten Kampagne “Die Toten kommen” des “Zentrums für politische Schönheit” als Antwort auf die “menschenverachtende, tödliche Flüchtlingspolitik der Europäischen Union”. Die Agentur “Frontex” macht, beauftragt von Europäische Union, mit enormem Aufwand die Grenzen dicht. Die Flüchtlinge werden auf oft tödliche Routen gezwungen. „So können wir mit Flüchtlingen nicht umgehen.“, erklärten die beiden. Sie verwiesen darauf, dass Deutschland nach den USA und Russland der drittgrößte Waffenexporteur der Welt und der größte in Europa ist.

 

Foto Thorsten Jordan
Foto Thorsten Jordan

 

Diskutieren statt tanzen

„Wegschauen, abschrecken, sterben lassen“: Matthias Weinzierl (Bayerischer Flüchtlingsrat) und Thies Marsen (Radio-Autor und Moderator) kritisieren die Flüchtlingspolitik der EU.
„Wegschauen, abschrecken, sterben lassen“: Matthias Weinzierl (Bayerischer Flüchtlingsrat) und Thies Marsen (Radio-Autor und Moderator) kritisieren die Flüchtlingspolitik der EU.

Eine neue Gesprächsrunde in Dießen tritt an die Öffentlichkeit.  Von Miriam Anton (Landsberger Tagblatt)

„Mittwochsdisko“ – das klingt nach Tanzen, aber steht in diesem Fall für „Diskutieren“ und Diskussionsrunde, zu der sich eine kleine Gruppe von gesellschaftlich Aktiven seit einem Jahr regelmäßig in Dießen trifft. Vor Kurzem hielt die Gruppe ihre erste öffentliche Veranstaltung ab. Die Journalisten Thies Marsen und Peter Bierl sowie weitere Dießener Politikinteressierte aus dem Kreis luden in den „Mauerhansl“ ein, um über die Flüchtlingspolitik Deutschlands und der EU zu diskutieren.

„Wegschauen, abschrecken, sterben lassen“ lautete der Titel der Veranstaltung mit Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat als Referenten. Weinzierl kritisierte den unmenschlichen Umgang mit Flüchtlingen von Deutschland und anderen EU-Ländern. Während in Deutschland die Flüchtlinge oft jahrelang in isolierten, engen Massenunterkünften ausharren müssten, landeten Asylsuchende in Griechenland und Italien auf der Straße und in Ungarn sogar im Gefängnis, so der Experte. Zudem prangerte er an, dass Menschen bei ihrer Flucht ums Leben kommen, obwohl die EU-Staaten den Tod auf den Flüchtlingsbooten verhindern könnten. „Wir sind für die Toten verantwortlich.“ Nach Deutschland schafften es vergleichsweise nur wenige Flüchtlinge, so Weinzierl. Die EU setze auf die Kooperation mit Diktaturen, die Flüchtlinge weit vor den Grenzen Europas abfangen sollen. Während aktuell rund 45,2 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht seien, wurden Weinzierl zufolge 2013 in Deutschland nur knapp 110000 Anträge auf Asyl gestellt. Die meisten Flüchtlinge landeten in Nachbarstaaten der krisengeschüttelten Länder, wie zum Beispiel im Libanon. Sorge machen Weinzierl zudem die zahlreichen rassistischen Attacken auf Flüchtlinge in Deutschland. „Diese Entwicklung ist bedrohlich.“

Doch es gibt auch positive Entwicklungen, was den Umgang mit Flüchtlingen vor Ort angeht. So haben sich im Landkreis Netzwerke für Flüchtlinge gebildet. In Dießenerklärten sich rund 70 Leute bereit zu helfen, berichtet Michaela Kanzler, die die Hilfe organisiert. Mitte Februar sind bereits zwölf Menschen ins Forsthaus nach Riederau eingezogen, darunter zwei afghanische Familien und eine Familie aus Syrien, so Kanzler. Diese werden voll integriert und erhalten dreimal die Woche Deutschunterricht.

Die Ehrenamtlichen unterstützen sie bei Rechtsfragen, sorgen für medizinische Hilfe und fahren die Bewohner nach München, damit sie ihre vertrauten Lebensmittel einkaufen können. „Es ist einfach toll, wie viele unterschiedliche Menschen sich engagieren“, so Kanzler. Ab April sollen Flüchtlinge in Dießen einquartiert werden. Auch auf sie wartet ein freundlicher Empfang. Ende Mai gibt es eine weitere Veranstaltung der „Mittwochsdisko“. Im Rahmen der „Letzten Montage“ wird der Künstler und Sozialist William Morris aus Großbritannien vorgestellt.