Rüstungsexport-Weltmeister

Made in Germany ist ein Qualitätsmerkmal, das gilt auch für Mordwerkzeuge. Im vergangenen Jahr wurden deutsche Waffen im Wert von fast 13 Milliarden Euro ans Ausland verkauft. Im ersten Halbjahr 2016 erreichte das Geschäft bereits wieder einen Gesamtwert von über vier Milliarden. Deutschland ist längst zum drittgrößten Exporteur von Waffen aufgestiegen. Die Hälfte des Umsatzes entfällt auf bayerische Firmen.

Profiteure sind Unternehmen wie Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, EADS, Diehl Defence, Thyssen-Krupp oder Heckler & Koch, das Sturmgewehre in alle Welt liefert. Die deutsche Regierung bietet Waffen aus Überschussbeständen der Bundeswehr an und sichert private Exporte mit Hermes-Bürgschaften. Das Unternehmerrisiko wird teilweise vom Steuerzahler übernommen.

Damit tragen Unternehmen und Regierung weltweit zu Kriegen und Bürgerkriegen bei. Sie helfen Diktaturen und Warlords und schaffen Fluchtursachen. Hauptempfänger deutscher Waffen war 2015 das Emirat Katar, das die antisemitische Hamas finanziert und mutmaßlich den IS unterstützt. Kampfpanzer wurden wieder an die islamistische Diktatur in Saudi-Arabien geliefert. Beide Staaten sind direkt am Bürgerkrieg im Jemen beteiligt. Der Nato-Partner Türkei, der nach Angaben der Bundesregierung unter der Erdogan-Regierung mit islamistischen und terroristischen Gruppen kooperiert, bekam von 2013 bis 2015 Waffen im Wert von fast 200 Millionen Euro. Die Firma Rheinmetall plant eine neue Panzerfabrik in der Türkei.

Unter dem Titel „Deutschland auf dem Weg zum Rüstungs-Exportweltmeister “ lud die Mittwochsdisko am Donnerstag, 20. Oktober 2016, im „Maurerhansl“ in Dießen zu einer Veranstaltung über den Waffenhandel ein.

Referent war Jan van Aken, Aktivist von Greenpeace, Biowaffeninspektor bei den Vereinten Nationen von 2004 bis 2006, Abgeordneter der Fraktion Die Linke im Bundestag.

Die Geschäfte des Bayer-Konzerns

Aspirin, Heroin und Zyklon B

Der Bayer-Konzern ist eines der weltweit führenden
deutschen Unternehmen. Über die Geschäftspraktiken
des Chemiegiganten berichtete an diesem Abend der
Physiker Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination
gegen BAYER-Gefahren e. V.  Der Verein beschäftigt sich
seit Langem kritisch mit der Bayer AG, organisiert
Kampagnen und Proteste. Es ging um Pestizide und
Gentechnik, gefährliche Medikamente und Altlasten,
Giftgas im Ersten Weltkrieg und die Profite, die Bayer
als Teil der IG Farben aus den deutschen
Verbrechen der NS-Zeit zog.

Menschen fliehen vor Hunger, Krieg und Terror. Sie
fliehen vor uns zu uns. Denn die elenden Verhältnisse
sind die Folgen eines Systems, von dem der
Exportweltmeister Deutschland profitiert. Führend
ist der Bayer-Konzern, mit dem sich die Dießener
Mittwochsdisko in ihrer Veranstaltung
beschäftigte, während viele hierzulande
lieber auf Monsanto zeigen und antiamerikanische
Ressentiments pflegen. Mit Aspirin und Heroin, Letzteres
angepriesen als Beruhigungsmittel bei Husten, begann um
1900 die weltweite Expansion der Firma. Als Teil der IG Farben
beteiligte sich Bayer während des Zweiten Weltkrieges
an den grässlichsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.
Die IG Farben betrieben das Lager Auschwitz-Birkenau.
Die Degesch, eine Tochterfirma von IG Farben und
Degussa, lieferte Zyklon B für die Gaskammern.
Bis heute hat der Konzern zahlreiche gefährliche
Produkte im Sortiment. Die Weltgesundheitsorganisation
schätzt die Zahl der Pestizidvergiftungen auf bis zu
20 Millionen im Jahr. Etwa 200.000 Menschen sterben daran.
Für einen großen Teil der Vergiftungen sind Bayer-Produkte
verantwortlich; mit einem Weltmarktanteil von rund
20 Prozent ist die Firma der zweitgrößte Pestizidhersteller
der Welt.

Die Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) beleuchtet
seit 35 Jahren die Schattenseiten der Konzernbilanz. Jahr
für Jahr legen Aktive der CBG in der Hauptversammlung
des Unternehmens einen Alternativen Geschäftsbericht
vor. Der Verein kooperiert mit Umweltverbänden,
Gewerkschaftern und Geschädigten in über 40 Ländern.

Die Veranstaltung fand am Mittwoch, 16. März,
im „Maurerhansl“ in Dießen statt.

Siehe auch „Ammerseekurier“ vom 22. März 2016